Vorübergehender Abschied von der Kamera: Marisa Burger kämpft gegen jahrelang verborgene Krankheit
Berichte über eine mögliche Brustkrebserkrankung kursieren, während die Schauspielerin nach einem Vierteljahrhundert der bekanntesten Krimiserie des deutschen Vorabendfernsehens den Rücken kehrt. Ein Blick auf Mut zur Veränderung, die Debatte um Wertschätzung und den medizinischen Hintergrund der häufigsten Form von Brustkrebs.
Es gibt Abschiede, die größer sind als das, wofür sie stehen. Der Abgang von Marisa Burger aus den Rosenheim-Cops nach fast 25 Jahren als Polizeisekretärin Miriam Stockl ist ein solcher Moment. Mit ihrem Satz „Es gab da ‘ne Leiche“, mit dem sie regelmäßig die Kommissare über neue Mordfälle informierte, erlangte sie Kultstatus. Wenn dieser Satz nun nicht mehr erklingt, hinterlässt er eine Lücke, die weit über eine gewöhnliche Fernsehrolle hinausgeht.
Parallel zu diesem öffentlichen Abschied kursieren Berichte über eine schwere Erkrankung der 52-jährigen Münchner Schauspielerin: Brustkrebs (HER2-negativ, hormonrezeptor-positiv). Ein Befund, der – sollte er zutreffen – erklären würde, warum Burger seit Anfang des Jahres nahezu ununterbrochen abwesend war und in einem Q&A-Format andeutete, die vergangenen Monate seien medizinisch belastend gewesen. Eine offizielle Bestätigung liegt bisher nicht vor.
Der Schritt aus der Komfortzone
Marisa Burgers Ausstieg hat jedoch vor allem kreative Gründe. Drei Jahre lang habe sie mit sich gerungen, erklärte sie in der Abendzeitung München. „Wo will ich noch hin?“ – diese Frage habe stets über ihrer Entscheidung geschweigt: „Ich bin schon jemand, der auch mal wieder raus muss, eben aus der Komfortzone, und der sich auch wieder neu entdecken möchte.“
Ihr letzter Drehtag auf dem Gelände der Bavaria Filmstudios in München verlief hochemotional. Ihr Kollege Max Müller, der seit dem ersten Tag an ihrer Seite stand, gestand, beim letzten gemeinsamen Dreh geweint zu haben: „25 Jahre sind nicht nichts.“ Auch Kollege Igor Jeftic sprach von einem Schock; die beiden verbindet seit den 1990er-Jahren eine enge Freundschaft aus gemeinsamen Schauspielschultagen.
Gleichzeitig äußerte Burger im Gespräch mit der Gala ein Detail, das aufhorchen lässt: Sie sei seit Januar nicht mehr zu Hause gewesen. Im Kontext einer möglichen medizinischen Behandlung bekäme dieser Satz ein ganz anderes Gewicht – ob dem so ist, bleibt jedoch vorerst Burgers Privatangelegenheit. Enttäuscht zeigte sich die Darstellerin zudem vom Sender: „Besonders bitter: Das ZDF hat sich bis jetzt noch nicht zu meinem Abschied geäußert. Das ist auch ein Statement unserer Branche, was Wertschätzung betrifft.“
Die finale Folge mit Marisa Burger wird in der 26. Staffel im Herbst 2026 im ZDF ausgestrahlt. Ihre Kultfigur wird dabei nicht durch einen dramatischen Serientod ausscheiden: „Meine Rolle wird lebendig aus der Serie herauskommen und ich – oder vielmehr die Frau Stockl – darf so blühen, wie sie noch nie in 25 Jahren geblüht hat.“
Medizinischer Hintergrund: HR-positiver, HER2-negativer Brustkrebs
Die in den Berichten erwähnte Diagnose – HER2-negativ, hormonrezeptor-positiv (HR+) – entspricht der medizinisch häufigsten Form von Brustkrebs überhaupt. Rund 70 % aller Brustkrebserkrankungen fallen in diese Kategorie.
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Hormonrezeptor-positiv (HR+): An den Tumorzellen befinden sich Andockstellen für Hormone (Östrogen und/oder Progesteron), die als Wachstumsreize dienen.
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HER2-negativ: Die Krebszellen weisen keine Überexpression des HER2-Wachstumsfaktor-Rezeptors auf. Zwar wächst der Tumor dadurch oft weniger aggressiv als HER2-positive Formate, zielgerichtete Anti-HER2-Therapien kommen jedoch nicht infrage.
Therapieansätze: Der entscheidende therapeutische Hebel bei HR+/HER2- Brustkrebs ist die Antihormontherapie. Sie entzieht den Tumorzellen die hormonelle Grundlage. Bei prämenopausalen Frauen kommt häufig Tamoxifen (gegebenenfalls kombiniert) zum Einsatz, bei postmenopausalen Frauen werden meist Aromatasehemmer genutzt.
Ergänzend haben sogenannte CDK4/6-Inhibitoren die Behandlung in den letzten Jahren revolutioniert. Sie hemmen die Zellteilung auf molekularer Ebene und erhöhen die Überlebenschancen deutlich, wodurch vielen Patientinnen eine Chemotherapie erspart werden kann. Zudem profitieren Patientinnen in fortgeschrittenen Stadien von weiteren zielgerichteten Inhibitoren (wie PI3K-Hemmern).
Früherkennung menyelamatkan Leben: In Deutschland erkranken jährlich rund 70.000 Frauen an Brustkrebs. Dank moderner Diagnostik liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei lokalisiertem Brustkrebs bei über 90 %. Krankenkassen übernehmen für Frauen zwischen 50 und 75 Jahren alle zwei Jahre die Kosten für ein Mammographie-Screening. Neben regelmäßigen gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen wird auch das Selbstabtasten empfohlen, um Hautveränderungen, Knoten oder Asymmetrien frühzeitig abzuklären.
Blick nach vorne: Theater, Podcast und neue Pläne
Marisa Burger, die ihre Karriere an Schnittstellen von Theater (Münchner Volkstheater, Metropoltheater) und Fernsehen (Der Froschkönig, Café Meineid) begann, blickt trotz allem nach vorn. Nach ihrem Serien-Ausstieg kehrte sie bereits auf die Theaterbühne zurück – unter anderem ab Februar 2026 im Stück Kleine Verbrechen unter Liebenden im Winterhuder Fährhaus in Hamburg. Zudem ist ein Podcast-Projekt mit Kollegin Solveig Duda in Planung.
Unterstützung erhält sie dabei von ihrem Ehemann Werner Müller (ehemaliger Chefrestaurator des Kunstmuseums Basel): „Er hat mich absolut unterstützt.“
„Es war die richtige Entscheidung“, sagt Burger rückblickend über ihren Abschied. „Und ich freue mich auf alles, was jetzt noch kommt.“ Eine Haltung, die Stärke zeigt: „Ich höre mir nicht an, dass es mit über 50 zu spät dafür ist.“ Ob Neuanfang, gesundheitliche Herausforderung oder beides zugleich – Marisa Burger macht deutlich, dass ein Ende keineswegs das Ende bedeutet.
